Leitfaden Kommunen

Cleanup auf kommunaler Ebene – so wird's ein Erfolg

Wenn eine Stadt oder Gemeinde zum Cleanup aufruft, bewegt das ganze Stadtteile. Dieser Leitfaden unterstützt Kommunalverwaltungen bei der Planung, Logistik und Kommunikation – von der Flächenauswahl bis zur Müllmeldung. Mit Checkliste, Sicherheitsrichtlinien und allem, was Sie für eine öffentlichkeitswirksame Aktion brauchen.

Sehr geehrte Damen und Herren, geschätzte Engagierte in den Kommunalverwaltungen,

Sie sind die Expert:innen vor Ort. Wenn eine Kommune zum Cleanup aufruft, mobilisiert das nicht nur Bürger:innen, sondern stärkt den sozialen Zusammenhalt und das Bewusstsein für eine intakte Umwelt direkt vor der Haustür. Dieser Leitfaden unterstützt Sie dabei, Ihren kommunalen Cleanup sicher, effizient und mit maximaler Wirkung zu organisieren.

1. Strategische Planung & Flächenauswahl

Identifizieren Sie Schwerpunkte im Stadtgebiet, die eine Reinigung benötigen, aber für Freiwillige sicher zugänglich sind.

  • Zeitpunkt: Am 20. September oder im Rahmen des World Cleanup Day jederzeit im Jahresverlauf.
  • Frühzeitige Kooperation: Binden Sie das Umweltamt, das Ordnungsamt und insbesondere den Bauhof von Beginn an in die Planung ein. Klären Sie Kapazitäten für evtl. Wochenendarbeit oder planen Sie die Abholung alternativ für den darauffolgenden Montag ein.
  • Fokusgebiete: Parks, öffentliche Plätze, Radwege oder Uferzonen (beachten Sie hierbei Brut- und Setzzeiten sowie Naturschutzauflagen).
  • Gefahrenanalyse: Meiden Sie für Bürgeraktionen Bereiche mit fließendem Verkehr, instabilen Böschungen und gefährlichen Uferzonen.
  • Tipp: Nutzen Sie den UN-Aktionstag World Cleanup Day, um bestehende kommunale Kampagnen (z.B. „Saubere Stadt“) global zu vernetzen.

2. Logistik & Entsorgungsmanagement

Als Kommune haben Sie den direkten Draht zu den Bauhöfen und Entsorgungsbetrieben. Eine reibungslose Logistik ist der Schlüssel zum Erfolg.

  • Sammelpunkte: Definieren Sie klare Abholpunkte, an denen die Freiwilligen die Säcke ablegen. Das optimiert die Abfuhrwege für den Bauhof.
  • Sperrmüll-Regelung: Klären Sie vorab, wie mit Großfunden (Reifen, Elektrogeräte, Matratzen) umgegangen wird.
  • Materialbereitstellung: Stellen Sie als Gemeinde idealerweise Müllsäcke und ggf. Handschuhe leihweise zur Verfügung. Geeignete Cleanup-Kits finden Sie in unserem Community-Shop wcd.shirtschleuder.de 

3. Zentrale Registrierung & Vorbildfunktion

Gehen Sie mit gutem Beispiel voran und machen Sie das Engagement Ihrer Bürger:innen sichtbar.

  • Anmeldung: Registrieren Sie die kommunale Hauptaktion auf www.worldcleanupday.de. So erscheinen Sie auf der Deutschlandkarte und kann andere Akteure motivieren. 
  • Sichtbarkeit: Nutzen Sie Ihre offiziellen Kanäle (Amtsblatt, Website, Social Media), um zur Teilnahme aufzurufen.

4. Rechtlicher Rahmen & Versicherungsschutz

Sicherheit und Haftung müssen für eine öffentliche Veranstaltung klar geregelt sein.

  • Versicherung: Freiwillige Helfer:innen bei kommunal initiierten Aktionen sind in vielen Bundesländern über die jeweilige Landesversicherung (Ehrenamtsversicherung) unfallversichert. Prüfen Sie dies vorab mit Ihrer Versicherungskammer.
  • Haftungsausschluss: Weisen Sie in der Bekanntmachung darauf hin, dass die Teilnahme auf eigene Gefahr erfolgt.
  • Genehmigungen: Stellen Sie sicher, dass für Aktionen in Naturschutzgebieten die untere Naturschutzbehörde involviert ist.

5. Sicherheitseinweisung der Bürger:innen

Sicherheit steht an erster Stelle, um das positive Erlebnis nicht zu gefährden.

  • Ausrüstung: Empfehlen Sie festes Schuhwerk, lange Hosen (Schutz vor Zecken und Dornen) und wetterfeste Kleidung. Stellen Sie bei Arbeiten nah am Straßenrand Warnwesten bereit.
  • Gefahrenstoffe: Briefen Sie die Teilnehmenden (z. B. per Infoblatt bei Sackausgabe): Gefährliche Funde (Spritzen, Kanister mit unbekanntem Inhalt, Kampfmittel) dürfen nicht berührt werden. Hier muss der Bauhof oder die Polizei unter Angabe des genauen Standorts verständigt werden.

6. Vernetzung & Kooperation

Ein Cleanup ist eine hervorragende Plattform für lokales Networking.

  • Multiplikatoren: Laden Sie Schulen, lokale Vereine, Feuerwehren und Unternehmen ein, Patenschaften für bestimmte Gebiete zu übernehmen.
  • Dankeskultur: Ein kleines „Cleanup-Fest“ oder ein kostenloser Snack am Bauhof nach der Aktion fördert die langfristige Motivation der Bürger:innen.

7. Kommunikation & Öffentlichkeitsarbeit

Nutzen Sie die Strahlkraft der globalen Bewegung für Ihr Stadtmarketing. (Achtung: DSGVO/Bildrechte der Teilnehmenden klären!)

  • Presse: Laden Sie die Lokalpresse zu einem Fototermin mit dem Bürgermeister/der Bürgermeisterin am zentralen Sammelpunkt ein.
  • Storytelling: Nutzen Sie die Funde für die Abfallberatung. Ein „Müllberg“ auf dem Marktplatz veranschaulicht das Problem eindrucksvoller als jede Statistik.
  • Social Media: Nutzen Sie die offiziellen Hashtags #worldcleanupday@worldcleanupday_germany und markieren Sie uns, damit wir Ihr Engagement bundesweit teilen können.

8. Ergebnissicherung & Monitoring

Zahlen schaffen Akzeptanz und zeigen den Erfolg der Maßnahme.

  • Müllmeldung: Wiegen oder schätzen Sie das Gesamtvolumen und melden Sie die Daten auf unserer Website zurück. Diese Daten sind essentiell für unsere politische Arbeit auf Bundesebene.
  • Reflexion: Nutzen Sie die Funde für die Abfallberatung: „Was wurde am häufigsten gefunden?“ – Dies kann Basis für neue Präventionsmaßnahmen (z. B. mehr Mülleimer oder Pfandsysteme) sein.

Gemeinsam achtsam für eine saubere Kommune

Damit Ihr freiwilliger Einsatz für unsere Umwelt sicher und erfolgreich verläuft, bitten wir Sie um die Einhaltung der folgenden Sicherheitsregeln. Ihre Gesundheit steht an erster Stelle!

1. Allgemeine Sicherheit: Achtsamkeit im Team

  • Teamarbeit: Sammeln Sie idealerweise mindestens zu zweit. Achten Sie auf Ihre Mitstreiter:innen, insbesondere auf Kinder und ältere Menschen.
  • Aufsichtspflicht: Eltern und Begleitpersonen von Gruppen (Vereine, Initiativen) tragen die Aufsichtspflicht für die ihnen anvertrauten Minderjährigen.
  • Im Zweifel gilt: „Liegen lassen!“ Wenn Ihnen ein Gegenstand gefährlich erscheint oder Sie unsicher sind, berühren Sie ihn nicht. Markieren Sie die Stelle und informieren Sie das Organisationsteam oder den Bauhof.

2. Die richtige Ausrüstung: Sicher geschützt

  • Kleidung: Tragen Sie festes, geschlossenes Schuhwerk (keine Sandalen!) und dem Wetter angepasste Kleidung. Lange Hosen schützen vor Zecken, Brennnesseln und Dornen.
  • Sichtbarkeit: Im öffentlichen Straßenraum oder in unübersichtlichem Gelände ist das Tragen einer Warnweste verpflichtend.
  • Handschutz: Sammeln Sie niemals mit bloßen Händen. Nutzen Sie robuste Arbeitshandschuhe und, wenn möglich, Greifzangen.
  • Vorsorge: Denken Sie an ausreichenden Sonnenschutz und führen Sie genug Trinkwasser bei sich.

3. Richtig sammeln: Die „Goldenen Regeln“

  • Gefahrenstoffe (Strenges Berührungsverbot): Finden Sie Spritzen, Kanister mit unbekannten Flüssigkeiten, Batterien, scharfe Metallteile oder größere Mengen Glasscherben, lassen Sie diese liegen.
    • Maßnahme: Standort merken (z. B. per Smartphone-Pin) und dem Bauhof/Organisationsteam melden.
  • Verkehrssicherheit: Halten Sie Abstand zur Fahrbahn. Überqueren Sie Straßen nur an gesicherten Stellen. Bahnanlagen und gesperrte Baustellen sind absolut tabu!
  • Gelände: Betreten Sie keine steilen Böschungen, instabilen Uferzonen oder Privatgrundstücke ohne ausdrückliche Erlaubnis.
  • Ergonomie: Heben Sie schwere Säcke aus den Knien, nicht aus dem Rücken. Überladen Sie die Müllsäcke nicht.

4. Rücksicht auf die Natur

  • Schutzgebiete: Bleiben Sie in Naturschutzgebieten auf den Wegen.
  • Flora & Fauna: Reißen Sie keine Pflanzen aus und stören Sie keine Wildtiere. Müll, in dem sich Tiere bereits eingenistet haben (z. B. verkrustete Flaschen oder Dosen), bleibt als Lebensraum liegen.
  • Brutzeiten: Beachten Sie saisonale Einschränkungen (z. B. kein Betreten von Schilfgürteln während der Brutzeit).

5. Notfall-Plan: Besonnen handeln

  • Sicherheit zuerst: Sichern Sie bei Unfällen die Fundstelle oder den Unfallort ab.
  • Erste Hilfe: Leisten Sie Erste Hilfe. Jede größere Gruppe sollte ein Erste-Hilfe-Set mitführen.
  • Meldung: Informieren Sie die zentrale Hotline der Kommune [Hier Nummer einfügen].
  • Notruf: Bei schweren Verletzungen oder Funden von Kampfmitteln/Gefahrgut sofort die 112 (Rettungsdienst) oder 110 (Polizei) wählen.

1. Vorbereitungsphase (3–6 Monate vorher)

  • [  ] Zuständigkeiten klären: Federführendes Amt festlegen (meist Umweltamt, Ordnungsamt oder Stadtmarketing).
  • [  ] Termin fixieren: Hauptaktionstag festlegen.
  • [  ] Flächen festlegen: Schwerpunkte in ihrem Gebiet definieren (Parks, Flussufer, Parkplätze, …).
  • [  ] Naturschutz prüfen: Rücksprache mit der Unteren Naturschutzbehörde (besonders bei Uferzonen/Wäldern).
  • [  ] Budget sichern: Mittel für Handschuhe, Müllsäcke, Entsorgungsgebühren und Verpflegung bereitstellen.
  • [  ] Versicherungsschutz (Landesversicherung) prüfen

2. Logistik & Material (Bauhof-Koordination)

  • [  ] Materialbestand prüfen: Sind ausreichend Müllzangen, Warnwesten und Handschuhe vorhanden?
  • [  ] Abholpunkte definieren: Wo genau stellen die Bürger:innen die vollen Säcke ab? (GPS-Punkte oder markante Orte).
  • [  ] Entsorgungsroute planen: Kapazitäten für die Abfuhr am Aktionstag oder unmittelbar danach sichern.
  • [  ] Sonderabfall-Plan: Vorgehen bei Funden von Reifen, Batterien oder Gefahrstoffen festlegen.

3. Anmeldung & Kommunikation

  • [  ] Zentrale Anmeldung: Aktion auf www.worldcleanupday.de registrieren.
  • [  ] Aufruf starten: Pressemitteilung, Amtsblatt-Eintrag und Social-Media-Posts veröffentlichen.
  • [  ] Anmeldesystem für Bürger: Einfaches Formular oder E-Mail-Adresse für Gruppenanmeldungen (Vereine, Firmen) bereitstellen.
  • [  ] Infopaket schnüren: Kurzes PDF mit Sicherheitshinweisen und Sammelpunkten für die Teilnehmenden erstellen.

4. Durchführung (Der Aktionstag)

  • [  ] Materialausgabe: Zentraler Stand (z. B. Marktplatz) oder dezentrale Depots bei Freiwilligen Feuerwehren/Bauhof.
  • [  ] Sicherheitseinweisung: Kurzes Briefing der Teilnehmenden (kein Griff in unübersichtliche Gebüsche, Funde von Spritzen melden).
  • [  ] Erreichbarkeit: Notfall-Telefonnummer der Stadtverwaltung/des Bauhofs für Rückfragen bereitstellen.
  • [  ] Dokumentation: Fotos für die Pressearbeit machen (Vorher-Nachher-Bilder sind besonders effektiv).

5. Nachbereitung & Reporting

  • [  ] Ergebnis erfassen: Wie viel Tonnen/Kubikmeter wurden gesammelt? Wie viele Menschen waren dabei? 
  • [  ] Müllmeldung: Füllen Sie nach der Aktion die Müllmeldung auf unserer Website aus. Jedes Kilo zählt für die globale Statistik und zeigt der Politik die Relevanz dieses Themas.
  • [  ] Danksagung: Dankesbrief oder Urkunde an teilnehmende Schulen, Vereine und Firmen senden.
  • [  ] Presse-Abschluss: Erfolgsbilanz veröffentlichen („Stadt XY sammelt gemeinsam 2 Tonnen Müll“).

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